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Art by Petra Seibert
Art by Petra Seibert
Der Inhalt meiner Bilder kreist um ein Thema: Menschen. Sie interessieren mich, sie freuen und sie ärgern mich. Ich beobachtete ihr Verhalten in zwei Gesellschaftssystemen (28 Jahre real existierender Sozialismus, seit 1988 – ein Jahr vor dem Mauerfall – der real existierende Kapitalismus) und lernte, wie wenig frei wir vom System sind. Eine wichtige Überlebensstrategie in beiden Systemen war und ist der Humor. Ich liebe meine Protagonisten, hässlich oder schön, ungeschickt oder rührend. In jedem Bild steckt eine Geschichte, meine Geschichte und die hat mit unserer Geschichte zu tun, der Geschichte der Deutschen, dem Streben nach Freiheit und Einheit. Das an sich ist schon der Widerspruch. Grenzenlose Freiheit und Einheit vertragen sich nicht. Dennoch ist größtmögliche Freiheit innerhalb von Grenzen möglich.
Meine Bilder speisen sich zwar aus Erinnerungen, entstehen aber im Hier und Jetzt, sind davon überlagert und werden dadurch vielschichtig, eine Vielschichtigkeit im doppelten Sinne. Schicht auf Schicht baue ich Erinnertes und Aktuelles ein. Alles ist miteinander verwoben. Die Erfahrung aus etwas Vergangenem trifft plötzlich auf eine hoch aktuelle Situation oder nimmt sie instinkthaft vorweg, z.B. in der Serie „Schrecklich schöne Kindheit“. Damit erhalten die Bilder sowohl universelle Bedeutung als auch individuelle Lesbarkeit. Jeder kann sie mit seiner eigenen Geschichte verknüpfen.
Am Anfang ging es mir darum, das Gehirn vollkommen abzuschalten. Auch in meinem Kunstunterricht (Malkurse)geht es am Anfang darum, das Gehirn abzuschalten und wenn Sie eine Ausstellung besuchen, empfehle ich, das Gehirn abzuschalten. Bitte nicht gleich ein Headset auf die Ohren. Es ging mir also um loslassen, nichts wollen, passieren lassen, sich überraschen lassen. Es ging darum, das zu trainieren, was vom Logos verschüttet war. Es ging darum den Ort zu finden, wo die Bilder sind, zu diesem Ort Kontakt herzustellen, in Fluss zu geraten, ohne innere Bewertung. Das innere Geschwätz zum Schweigen bringen. Natürlich war das ein Rühren und ein Suchen, vor allem im „Abstrakten“. Dieser Weg führte mich nicht weiter. Aus eigener Erfahrung wusste ich, dass das Kleben am Gegenstand sehr kreativitätstötend sein kann (z.B. Drill beim Naturstudium während meines Designstudiums). Und überall wird gelehrt vom Gegenstand zur Abstraktion. Mir kam das falsch vor. Schließlich las ich bei Lothar Fischer „Zur Kunst“ zum ersten Mal vom akademischen Irrtum. Das bestärkte mich in meinem Weg, genau umgekehrt zu arbeiten – vom Abstrakten zum Gegenstand.